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Deutsche Unternehmen setzen auf Outsourcing, wenn Sie Ihren Bedarf nicht lokal decken können: Ein Interview mit Simon Ricker

Autor Daxx team
Veröffentlicht am Aug 10, 2017
Ukraine

Der  IT-Fachkräftemangel ist ein ernst zu nehmendes Problem in mehreren Ländern, unter anderem auch in Deutschland.


simon ricker interviewDie Ukraine als alternativer Entwicklungsort rückt zunehmend in den Fokus deutscher Unternehmen, die sich schwer damit tun Fachkräfte lokal zu rekruteiren. 

Die Frage ist, ob Outsourcing eine perfekte Lösung für jeden ist? Welche zentralen Vorteile und Herausforderungen kommen auf einen bei der Zusammenarbeit mit einem remoten Entwicklerteam zu? Welche Überlegungen können deutsche Firmen anstellen, um sich relativ sicher sein zu können die richtige Wahl getroffen zu haben? 

Wir haben mit Simon Ricker gesprochen, dem Business Development Manager bei Daxx, der für den deutschen Markt verantwortlich ist, um einen besseren Einblick in diese Fragen zu bekommen.

Hallo Simon. Mit welchen Problemen sehen sich deutsche Unternehmen bei der Suche nach IT Fachkräften im In- und Ausland konfrontiert? 

Simon: Die Probleme sind in unterschiedlichen Städten und Regionen unterschiedlich gelagert. 

Es ist kein Geheimnis, dass es einen ernst zu nehmenden IT-Fachkräftemangel gibt, der über alle Regionen hinweg mehr oder weniger ausgeprägt ist. In München oder Köln ist dieser jedoch stärker ausgeprägt, in Berlin hingegen weniger, unter anderem auch weil es so beliebt ist in Berlin zu wohnen.

Wenn es jedoch um die Entscheidung Festanstellung gegenüber der Auslagerung der Entwicklung geht, wählen deutsche Unternehmen fast immer eine Festanstellung, wenn es möglich ist. Outsourcing erfolgt oft nicht aus einer gezielten Wahl dafür, sondern aus Notwendigkeit - vor allem wenn Unternehmen benötigte Ressourcen nicht vor Ort finden oder diese lokal zu teuer sind. Letzteres trifft vor allem auf kleinere Unternehmen zu.

Warum wenden sich deutsche Unternehmen an Daxx? 

Simon: Meistens wenden sich Unternehmen dann an Daxx, wenn sie aus dem einen oder anderen Grund die nötigen Fachkräfte vor Ort nicht finden können. Beispielsweise ist das Entwicklerangebot im Ruhrgebiet eher gering, wobei es dort aber durchaus viele IT Firmen gibt.

Es gibt aber auch Gründe die ein unzureichendes Angebot in anderen Regionen Deutschlands verschärfen, z.b. in München in Süddeutschland – dort sind die Löhne für Entwickler besonders hoch. Für Unternehmen aus Süddeutschland kommen somit neben dem Mangel auch Kostenüberlegungen mit ins Spiel. Vor allem Kostenüberlegungen und Fachkräftemangel sind die Hauptgründe warum sich deutsche Unternehmen an Daxx wenden.

Mit welchen Firmen kommst du am meisten in Kontakt?

Simon: Hauptsächlich mit Startups und Mittelständlern.

Wir arbeiten selten mit Großunternehmen aus Deutschland zusammen, hauptsächlich weil, wie voher genannt, viele den geheimen Wunsch hegen Fachkräfte bei sich zu beschäftigen. Die richtig großen Unternehmen, welche beispielsweise 200 Entwickler auf einmal benötigen, würden einfach eine Niederlassung irgendwo gründen anstatt mit Daxx zu arbeiten. So behalten Sie die Kontrolle über absolut alles und können sich „Zuhause im Ausland“ aufbauen, müssen dafür aber auch enorme Investitionen tätigen.

Für wen ist Daxx also eine gute Lösung? 

Simon: Daxx kann eine gute Lösung für kleine oder schnell wachsende Unternehmen sein, welche vielleicht selbst unzureichende Recruitingressourcen inhouse haben oder nötige Talente mit derzeitigen Ressourcen nicht schnell genug anwerben können. Das Sparen an Ausgaben für Recruiting und HR, die Daxx übernimmt, erlaubt es solchen Unternehmen Fixkosten niedriger zu halten und mehr in Ihr Produkt zu investieren. Gleichzeitig sind die Löhne für Entwickler in der Ukraine ein bisschen niedriger. Da aber die Entwickler sehr gut ausgebildet sind, können Lohnkosten bei vergleichbarer Qualität gespart werden.

Da aber die Kommunikation in verteilten Teams anders abläuft als in inhouse Teams, ist es auch immer gut, wenn die Unternehmen agiler eingestellt sind – also ein wenig flexibler als traditionsfokussierte Unternehmen mit unantastbaren Prozessen. 

Welche Faktoren bewegen deutsche Kunden dazu die Ukraine und Daxx als Outsourcingparter und Zielland zu wählen? 

Simon: Normalerweise eine Mischung aus verschiedenen Faktoren 

Oft wählen diese die Ukraine, weil andere Länder in Europa, wie Polen oder Rumänien, zu teuer geworden sind – in den letzten Jahren sind die Löhne stark gestiegen und die Steuern sind höher als in der Ukraine. Hinzu kommt, dass es qualitativ keinen Unterschied zwischen einem polnischen und einem ukrainischen Entwickler gibt. Diese Faktoren machen die Ukraine attraktiver als viele anderen Länder in Europa. 

Jedoch trifft das Gegenteil auf den Vergleich zwischen der Ukraine und asiatischen Ländern zu. Es ist aber glücklicherweise für uns sehr detusch nicht nur auf Kostenvorteile bei einer Wahl zu achten, sondern auch auf Qualität und kulturelle Faktoren. Viele Unternehmen mit denen ich gesprochen habe, haben schlechte Erfahrungen mit der Qualität und der Kommunikation gemacht, einfach weil es im Schnitt einen größeren kulturellen Unterschied zwischen einem deutschen und einem asiatischen Entwickler als zwischen einem deutschen und einem ukrainischen Entwickler gibt. Die Kommunikation zwischen Deutschen und Ukrainern ist leichter.

Die Ausbildung ist besser hier – viele Gesprächspartner haben mir bestätigt, dass die Qualität der Arbeit einer andere ist. Alles in allem zahlt man ein wenig mehr als in Asien, bekommt aber auch mehr für sein Geld. 

Einer der geheimen Gründe warum deutsche Unternehmen Daxx wählen ist, dass obwohl es weltweit viele Unternehmen wie Daxx gibt, nicht viele deutsche Kontaktpersonen beschäftigen, mit der man sich in seiner Muttersprache unterhalten kann. Es ist einfach leichter sich über einer Dienstleistung zu informieren oder wenn man Kunde ist jemanden vor Ort anzurufen, der auch deutsch ist. 

Ein weiterer Faktor, warum Daxx über kleinere Unternehmen gewählt wird, ist eine sehr strukturierte Vorgehensweise. Wir haben einen Service Delivery Direktor mit dem alle Kundenanforderungen evaluiert werden. Für Deutsche ist es sehr beruhigend zu wissen, dass jemand Sorgfalt bei den Kundenwünschen walten lässt. 

Unsere Vorgehensweise kommt deshalb gut an, weil wir viele Schritte gehen um sicherzustellen, dass wir nur Kandidaten vorstellen, die unsere Kunden auch interessieren und nicht mit irgendwelchen Kandidaten um uns werfen, die nicht passen. Deutsche mögen diese Art der Ehrlichkeit. 

Beispielsweise, wenn ein Unternehmen überlegt SAP oder TYPO3 Entwickler remote über uns zu beschäftigen, sagen wir nicht gleich ja. Dann würden sie nämlich viel Zeit investieren und am Ende womöglich ohne Kandidaten da stehen. Wenn die Marktlage schlecht ist, geben wir ganz offen zu, dass bestimmte Technologien derzeit unmöglich zu rekuritieren sind.

Wir analysieren immer erst die Machbarkeit unserer Kundenwünsche. Wenn wir diese nicht erfüllen können, geben wir dies ganz offen zu – das kommt immer gut an. 

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Wie kompatibel sind Deutsche und Ukrainer? Gibt es Besonderheiten bei der Durführung eines Recruitmentzykluses für deutsche Kunden? Mögen sie Face-to-Face Interviews oder eine bestimmte Anzahl an Interviews? 

Simon: Wenn die Wahl für ein remotes Team einmal getroffen ist, ist der Anstellungsprozess in der Regel auch remote. In der Vergangenheit haben Kandidaten immer die Büroräume ihres zukünftigen Arbeitgebers besucht. Wenn man aber die Einstellung hat remote zu arbeiten, dann erübrigt sich ein Face-to-Face Interview. Es ist jecoch nachwievor so, dass der letzte Schritt bei der Vermittlung für inhouse Stellen oft ein persönlicher Besuch ist, selbst wenn der Kandidat aus der Ukraine kommt.

Manchmal wünschen Kunden ein Onboarding während der Probezeit. Es kommt sogar ziemlich häufig vor, dass selbst wenn die Arbeit remote erfolgen soll. Deutsche Unternehmen schätzen den persönlichen Kontakt und laden Entwickler zum Kennenlernen nach Deutschland ein, um im Anschluss remote mit ihnen weiter zusammenzuarbeiten. 

Der Recruitmentprozess für remote Mitarbeiter selbst unterscheidt sich ansonsten kaum. Den einzigen Unterschied, den ich feststellen kann, ist dass deutsche Unternehmen die Kandidaten wirklich gut kennenlernen wollen. Oft erfolgt die Entscheidung über eine Anstellung langsamer als in anderen Ländern. Amerikaner können jemanden binnen zwei Tagen einstellen und entlassen. Deutsche wollen sich lieber sicher sein, dass Sie die passende Person einstellen, anstatt schnell drei Personen anzustellen und wieder zu entlassen nur um den vierten zu behalten.

Leider kann dies manchmal dazu führen, dass wir Kandidaten verlieren, weil Ukrainische Entwickler alles sofort wollen, am besten gestern. Oft wird ein Kandidat einfach ein anderes Angebot annehmen, wenn er vom deutschen Kunden nicht binnen einer Woche eine positive oder negative Rückmeldung über die Stelle erhalten hat.

Manchmal verläuft eine Zusammenarbeit deshalb im Sande, weil es diese Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Ukrainischen Entwickler und deutschen Unternehmen über angemessene Antwortzeiträume bei der Einstellung gibt. 

Besuchen deutsche Kunden Ihre remoten Teams?

Simon: Deutsche Kunden laden lieber Ihre ukrainischen Mitarbeiter nach Deutschland ein. 

Sind bestimmte Technologien bekannt, die in Deutschland besonders nachgefragt werden? Welche ist die populärste?

Simon: Da gibt es sehr große Variationen. Ich glaube, man kann nicht sagen, dass eine Technologie generell alle anderen dominiert. Die Technologien, die Kunden nachfragen, hängen sehr stark von der Industrie ab, aus der Sie stammen. Unternehmen in der Webentwicklung setzen beispielsweise viel auf PHP, CMS Systeme und Frontend Technologien. Etablierte Produkthersteller neigen eher zu .NET und Java. Generell aber gibt es keine einzelne Technologie die sich gegen andere durchsetzt. 

Welche Ratschläge würdest du einem deutschen Unternehmen geben, das überlegt einen  Ukrainischen Entwickler anzustellen, bevor eine Anstellung erfolgt?

Simon: Ich würde raten über zwei Dinge nachzudenken. Erstens, wie könnte es aus sicht des Entwicklers sein für ein deutsches Unternehmen zu arbeiten? Die Informationen, die zukünftige Arbeitnehmer zur Verfügung haben und wie diese präsentiert werden, können ausschlaggebend für das Ablehnen oder die Annahme eines Angebots sein. Je vollständiger die Informationen sind, die an den Outsourcingpartner weitergereicht werden, desto leichter wird es für diesen sein echtes Talent anzuwerben und nicht Entwickler, die nur auf das Geld aus sind. Zweitens, ist es wichtig zu verstehen, dass verteilte Teams anders funktionieren als inhouse Teams. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ist es wichtig genügend Zeit aufzuwenden einen Partner zu suchen, der auch beratend tätig ist und dabei hilft funktionierende Kommunikationskanäle und projektmanagement Strukturen einzurichten. 

Wie lange lebst du bereits in der Ukraine?

Simon: Ich wohne seit zwei Jahren in der Ukraine, reise aber schon seit ungefähr acht Jahren zwischen den beiden Ländern hin und her.

Was für Eindrücke macht das Land auf dich?

Simon: Ich glaube die Ukraine hat ein riesiges ungenutzes Potential, nicht nur im IT Sektor. Die diverse Natur und die vielfältige Kultur könnten viel mehr Touristen anlocken. Das Land selbst ist sehr fruchtbar und wird nicht voll genutzt, aber die Infrastruktur fehlt, um das nötige Wachstum in diesen Sektoren zu stemmen.

Was sind drei Gründe die Ukraine zu lieben?

Simon: In der Ukraine kann sich alles sehr schnell ändern. Dies lässt Ukrainer sehr anpassungsfähig und innovativ sein, wenn Sie mit schnell wandelbaren Situationen konfrontiert sind. Wären alle Ukrainer Entwickler, würde man sagen sie seien agil. 

Eine helfsbereite Einstellung erstreckt sich auf ältere Personen. Anstelle von Altersheimen hilft oft ein Netzwerk aus Freunden und Familie, um sich um ältere zu kümmern und sicherzustellen, dass sie nicht sozial isoliert werden.

Ukrainier sind sehr aufgeschlossen gegenüber Fremden. Sie sind immer dazu bereit dir zu helfen und sehr daran interessiert mit einem zu sprechen.

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